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18:21h, Dienstag 08.12.2009
Nach Wegfall der Meisterpflicht

Mehr Betriebe – weniger Ausbildung


Bielefeld-Mitte. Deutlich mehr Fliesenleger-Betriebe: In Bielefeld hat sich die Zahl der selbständigen Fliesenleger in den vergangenen Jahren drastisch erhöht. Nach dem Wegfall der Meisterpflicht vor fünf Jahren stehen heute mehr als fünfeinhalbmal so viele Fliesenleger im örtlichen Branchenbuch. Das hat die IG BAU mitgeteilt. Damals habe die Handwerkskammer lediglich 30 Betriebe registriert. Deren Zahl sei jedoch im vergangenen Jahr bereits auf 169 angestiegen – ein Plus von über 460 Prozent. „Das sind größtenteils Scheinselbständige, die zu Niedriglöhnen arbeiten“, berichtet Heinrich Echterdiek, Bezirksverbandsvorsitzender der IG BAU Ostwestfalen-Lippe.

„Seitdem jeder ohne Befähigungsnachweis einen Fliesenleger-Betrieb anmelden kann, treiben Bauunternehmen immer mehr Fliesenleger in die Scheinselbständigkeit. Für deren Arbeit zahlen sie dann oft nur Billiglöhne“, klagt Echterdiek. Denn ein selbständiger Fliesenleger ist an keinen Mindestlohn gebunden, auch wenn er wie ein Angestellter für einen einzigen Auftraggeber arbeitet. Durch die Abschaffung der Meisterpflicht für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger wollte die damalige Bundesregierung den Wettbewerb erhöhen, Preise senken und die Qualität verbessern. Doch das sei nicht eingetreten, so die IG BAU. Vor allem die Qualität leide massiv unter der Reform, da seitdem immer weniger Fliesenleger ausgebildet würden.

Im vergangenen Jahr registrierten die nordrheinwestfälischen Handwerkskammern an die 12.230 Fliesenleger-Betriebe – 2003 waren es dagegen nur knapp 2.740. Damit ist in NRW die Zahl der Selbständigen in der Branche um rund 350 Prozent gestiegen – und das innerhalb von nur fünf Jahren. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Auszubildenden im Fliesenleger-Handwerk jedoch drastisch zurück: Von 94 auf 54 Azubis, die bei den Arbeitsagenturen in Nordrhein-Westfalen gemeldet waren - ein Rückgang von mehr als 40 Prozent.

„Scheinselbständige als Ein-Mann-Betriebe bilden nicht aus“, berichtet Henrich Echterdiek. Durch die Billig-Konkurrenz und den hohen Kostendruck blieben aber auch bei den alt eingesessenen Betrieben immer weniger Kapazitäten, um junge Fliesenleger auszubilden, so der Gewerkschafter weiter. „Die sinkenden Ausbildungszahlen führen dazu, dass die Qualität im Fliesenlegergewerbe auf der Strecke bleibt“, sagt Echterdiek. Die IG BAU fordert daher die Wiedereinführung der Meisterpflicht für die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger und warnt eindringlich vor der Abschaffung in anderen Branchen.



kristina.juergenhake

Der Beitrag wurde am Dienstag, dem 08. Dezember 2009 um 18:21 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.


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