20:58h, Samstag 30.01.2010
Schönstes Kostüm soll wieder aus Bielefeld kommen
Triumph der Fantasie
Bielefeld-Mitte. Sie erinnern an Barock und Rokoko und sind doch eine Kreation des Hier und Heute. Mit improvisierten Schnitten, mit Kunstfaser neben Brokat - und von außergewöhnlicher Schönheit. 2009 belegten die modischen Fantasien des Bielefelders Horst Raack den ersten Platz im Wettbewerb um das schönste Kostüm im venezianischen Karneval. Horst Raack ist Goldschmied, die Mode ist seine Leidenschaft. Am 10. Februar 2010 reist der 38-jährige Bielefelder erneut in die Lagunenstadt. Im Gepäck: eine modische Hommage an die kostbaren Fabergé-Eier der Zarenzeit.
2009 hatte Horst Raack die Jury mit der sechsteiligen Kostümfantasie "Die Reisen des Marco Polo" begeistert und sich gegen 300 Verkleidete aus aller Welt durchgesetzt. "Dieses Mal werden wir als Gruppe von zwei Paaren anreisen", verrät er. "Für unseren Auftritt habe ich Kostüme umgearbeitet, die wir schon 2008 in Venedig getragen haben." Das florale Dekor sei noch vorhanden, werde aber durch die neuen Ideen weitgehend überlagert. Jetzt präsentieren sich die Modelle "sehr üppig und glitzernd" - eben durch und durch angelehnt an die royalen Schmuckeier aus St. Petersburg.
Horst Raack ist ein Meister der Improvisation. "Meine Kostüme entstehen im Kopf, farbige Modeskizzen gibt es nicht. Selbst wenn ich einmal eine Idee zu Papier bringe, entsteht unter meinen Händen schnell wieder etwas anderes." Eine Opernsängerin aus Venedig gehört zu den Menschen, die sich seit vielen Jahren sehnlichst ein Kleid aus den Händen des Bielefelder Goldschmieds wünschen. Doch der lehnt ab: "Ich habe nie gelernt auf Maß zu arbeiten, sondern improvisiere jedes Stück an einer Schneiderpuppe." Der Attraktivität seiner Kreationen tut das keinerlei Abbruch. Die prächtigen Unikate aus Horst Raacks Atelier setzen Veranstaltungen von der Pillnitzer Schlossnacht bis zum Kongress der Bielefelder August Oetker KG in Szene.
Die Bielefelder Kostümierung für 2010 steht ganz im Zeichen von "Fabergé" - europäisch und indisch interpretiert. Auf einem der Damen-Kopfteile wurden große Eihälften so drapiert, dass sie an einen Turban erinnern. Auch Raacks Partnerin wird ein Kopfteil aus Eierschalen tragen. Auf dessen Spitze thront zusätzlich das Modell einer kleinen Kutsche. "Das teuerste unter allen royalen Schmuckeiern war das Krönungs-Ei", erklärt Horst Raack. "Als Überraschung enthielt es das Modell der goldenen Kutsche, in die Zar Nikolaus II. und Zarin Alexandra nach ihrer Krönung einstiegen." Selbst die Handtaschen der beiden Damen sind Fabergé-Eiern nachempfunden.
Das Prozedere des Kostüm-Wettbewerbs ist den Bielefeldern inzwischen gut bekannt. Aus mehreren hundert Bewerbern in der Vorrunde werden rund 80 für das Finale ausgewählt. Drei grüne Jury-Karten berechtigen zur Endausscheidung, in der sich nochmals die Besten der Besten präsentieren.#99Bei allem, was der Goldschmied Raack noch als Modeschöpfer Raack auf die Beine stellen wird, will er authentisch zu bleiben. "Was andere nähen, interessiert mich, weil ich gewisse Ideen umarbeiten könnte. Ein bloßes Abschauen und Nachmachen könnte mich aber niemals reizen." Seit er 2009 in der Modestadt Paris eine Ausstellung zur zeremoniellen Kleidung bei Hofe besuchte, ist er um eine farbenprächtige Idee reicher: Krönungsroben und Planeten - das soll der Bielefelder Auftritt beim Karneval von Venedig im Jahr 2014 werden.
karla.salk
Der Beitrag wurde am Samstag, dem 30. Januar 2010 um 20:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.
<< Zurück zur Übersicht







